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Samstag, den 13. Juli 2019 um 15:01 Uhr

Neue EU-Sondereinheit für THW Naila

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Die Bundesrepublik Deutschland hat sich im Rahmen des EU-Koordinationsmechanismus bereit erklärt drei sogenannte HCP-Module zu stellen.

Dieser Mechanismus regelt, dass sich die europäischen Mitgliedstaaten in Not- und Katastrophenfällen schnell gegenseitig mit Spezialeinheiten und Gerätschaften helfen können. HCP steht dabei für High Capacity Pumping, also für Hochleistungspumpen. In Deutschland sorgt das Technische Hilfswerk für die technische und personelle Besetzung dieser Module. Der Landesverband Bayern des THW stellt eines dieser HCP-Module zur Verfügung.

Die Aufgabe eines HCP-Modules ist es, zwölf Stunden nach einer Alarmierung völlig autark zum Einsatzort innerhalb Europas oder durch Flugzeugverlegung vom Flughafen Frankfurt weltweit zum Einsatzort zu verlegen. Ab Ankunft am Einsatzort gilt es innerhalb von zwei Stunden den Pumpbetrieb aufzunehmen und für 21 Tage aufrecht zu erhalten.

Um diese Anforderungen zu erfüllen, reicht die Standardaufstellung eines THW-Ortsverbands nicht aus. Beispielsweise müssen zolltaugliche Packlisten passend zur Verlastung des Materials verfügbar sein. Ein ausgeklügeltes Verladesystem ist einzuhalten und schnelle Verlegeaktionen in größeren Marschverbänden sind immer wieder zu üben.

Übungen sind dabei auch in Zusammenarbeit mit weiteren europäischen Einheiten entscheidend, denn nur, wer sich schon bei Übungen kennengelernt hat, kann auch im Einsatz schnell und effektiv zusammenarbeiten.

Dazu gibt es jedes Jahr irgendwo in Europa Großübungen. In diesem Rahmen werden auch Rezertifizierung erlangt bzw. überprüft, also der Bestätigung, dass die Kenntnisse und Einsatzbereitschaft auf dem geforderten Niveau vorliegen.

Der THW Landesverband Bayern speist die Gerätschaften des HCP-Moduls aus 6 Ortsverbänden, zu denen nun auch Naila gehört. Nach der Aufnahme des Ortsverbandes Naila gilt es neben der Technik auch auf der Personalseite entsprechende Vorkehrungen zu treffen, denn trotz aller Standardisierung kennen natürlich die Helfer des eigenen Ortsverbandes ihr Material am besten.

Das bayerische HCP-Modul greift auf einen Pool von ca. 80 speziell ausgebildeten Helfern zu. Schon vor der Ernennung zum HCP-Standort befanden sich darunter die Helfer Wolfgang Peter und Christoph Winkler, die auf langjährige und vielfältige Auslandseinsatzerfahrung bauen können und außerdem auch als Trinkwasseraufbereitungsspezialisten weltweit einsetzbar sind.

Aktuell laufen die Bewerbungsfristen für neue Helfer des HCP-Modules und da Naila nun zu den Standorten gehört, möchten sich in Zukunft auch die Helfer Sven Deubler, Dominik Schultz und Holger Frank als Pumping- und Mechanical Experts engagieren.

Dafür sind umfangreiche Vorkehrungen erforderlich. So müssen die Helfer einen erweiterten Gesundheits- und Impfzustand, sowie internationale Reisefähigkeit erlangen. Da es auch in unsichere Gegenden gehen kann, werden UN-Sicherheitslehrgänge und ein Speziallehrgang für die Auslandstätigkeit nötig. Dies wird natürlich erst möglich, wenn alle THW-spezifischen Ausbildungen als Grundlage bereits vorhanden sind.

Zweifelsohne handelt es sich dabei um einen sehr hohen Aufwand. Positiv ist festzuhalten, dass die Vorkehrungen für den raschen internationalen Einsatz auch die Professionalität bei lokalen Einsätzen erhöht.

Zuguterletzt muss auch der Motivationsfaktor angeführt werden. Denn wo haben technisch interessierte Menschen die Gelegenheit lokal ehrenamtlich helfen zu können, aber dabei auch die Möglichkeit zu bekommen, bei zivilen internationalen Übungen und Einsätzen andere Menschen und Technik kennen zu lernen. Anders ausgedrückt kann man so auch Abenteuer und professionelle Hilfeleistung unter einem Hobby kombinieren -> Interessenten, gleich welchen Alters, sind immer willkommen!!!